Barrierefreie Fußgängerrouten
Beispiel einer barrierefreien Fußgängerroute in einer Innenstadt
Barrierefreie Fußgängerrouten müssen so gestaltet sein, dass sie für Menschen mit
motorischen, visuellen, auditiven oder kognitiven Einschränkungen ohne fremde Hilfe
und weitgehend ohne Einschränkungen nutzbar sind. Hierbei spielt das Zwei-Sinne-Prinzip
(Informationen müssen für mindestens zwei der drei Sinne Hören, Sehen, Tasten
erschließbar sein) eine zentrale Rolle.
Gestaltungsgrundsätze und technische Anforderungen
- Grundsatz: Die Wegekette nach DIN 18040.
Barrierefreie Fußgängerrouten sind gemäß den Anforderungen der DIN 18040 so zu gestalten, dass sie von allen Menschen unabhängig von individuellen Einschränkungen sicher und möglichst selbstständig genutzt werden können. Voraussetzung hierfür ist eine durchgängige, widerspruchsfreie Wegeführung, die alle Abschnitte einer Wegekette ohne funktionale Unterbrechungen miteinander verbindet.
- Bauliche Parameter: Gefälle, Breiten und Oberflächenbeschaffenheit.
Die Wege sind grundsätzlich stufenlos auszubilden und mit geringen Längs- und Querneigungen zu versehen. Ausreichende Bewegungsbreiten gewährleisten Begegnungsfälle und eine sichere Nutzung auch bei erhöhtem Fußgängeraufkommen. Die Oberflächen müssen eben, erschütterungsarm sowie rutschhemmend ausgeführt werden und eine eindeutige visuelle Gliederung aufweisen.
- Sensorik: Taktile und visuelle Leitsysteme für die Orientierung.
Zur Sicherstellung der Orientierung sind für blinde und sehbehinderte Menschen taktile Leitsysteme vorzusehen. Diese umfassen linienhafte Leitstrukturen sowie Aufmerksamkeitsfelder an Entscheidungs- und Gefahrenstellen. Ergänzend sind visuelle Kontraste und eine klare, möglichst geradlinige Wegeführung erforderlich.
- Sicherheit & Freiraum: Überquerungen und das Freihalten des Verkehrsraums.
Überquerungsstellen sind barrierefrei und eindeutig auffindbar auszubilden. Hierzu zählen differenzierte Bordausbildungen, taktile Auffindestreifen sowie akustische und gegebenenfalls vibrierende Signalgeber an Lichtsignalanlagen. Der Gehbereich ist dauerhaft freizuhalten; Einbauten und Möblierung sind außerhalb der Hauptgehzone anzuordnen, wobei die erforderlichen Durchgangshöhen einzuhalten sind.
- Service & Umfeld: Beleuchtung, Information und Sitzgelegenheiten.
Eine gleichmäßige, blendfreie Beleuchtung unterstützt die Verkehrssicherheit und Orientierung. Ergänzend sind gut wahrnehmbare Informations- und Leitsysteme bereitzustellen. Bei längeren Wegestrecken sind zudem barrierefrei erreichbare Sitzgelegenheiten in angemessenen Abständen vorzusehen.
Fazit
Barrierefreiheit ergibt sich aus dem abgestimmten Zusammenwirken aller Gestaltungsparameter entlang der gesamten Wegebeziehung. Einzelmaßnahmen genügen nicht; erst die lückenlose und konsistente Umsetzung gewährleistet eine uneingeschränkte Nutzbarkeit im Sinne einer inklusiven Umwelt.
Thematik im Handbuch
Teil 1 „IM DETAIL – Gestaltung barrierefreier Verkehrsraum“ aufgezeichnet.
Bildbeispiele innerstädtisches barrierefreies Wegeleitsystem
Das Bild zeigt eine vielfältige Gruppe von Menschen, die sich auf einem barrierefreien Fußweg durch eine Parklandschaft bewegen. Der Weg ist klar geteilt: Eine Zone aus grobem Pflasterstein an der Kante, die als taktile Leithilfe dient, und ein breiter, ebener Asphaltstreifen, der ideal für Rollstuhlnutzer und Fußgänger ist. Im Mittelgrund auf der rechten Seite ist ein Picknickbereich mit Holztischen und Bänken zu sehen, an dem Personen sitzen, essen und trinken. Dahinter steht eine Laterne mit einem weißen Informationsschild, das gut lesbar die Aufschrift „Zum Bahnhof“ trägt. Im Hintergrund steht ein Mann und blickt auf die weißen schrägen Lesetafel. Eine rote Geländerrampe deutet auf weitere barrierefreie Zugänge hin.
Die Abbildung illustriert eine vorbildliche barrierefreie Fußgängerroute im historischen Stadtkern. Der breite, ebene Gehweg ermöglicht eine uneingeschränkte Mobilität für Personen mit Rollatoren oder Rollstühlen, wie durch den Mann im Bild gezeigt. Die Nähe zum offenen Wasserlauf wird durch Sicherheitsbegrenzungen der optisch-taktilen Pflastersteinen und die ebene Führung des Weges ausgeglichen, wodurch eine attraktive und sichere Route zum Marktplatz entsteht.
Bildbeispiel eines barrierefreien Wegeleitsystem auf einem Campus
Die Szenerie in der Hochschule Fulda verdeutlicht, dass Barrierefreiheit dann am besten funktioniert, wenn sie als multifunktionales Konzept verstanden wird. Die Anwesenheit eines Rollstuhlnutzers auf der glatten Begleitfläche und einer Person, die sich am taktilen System orientiert, demonstriert praxisnah, wie durchdachte Infrastruktur unterschiedlichen Nutzergruppen gleichzeitig eine gleichberechtigte Teilhabe am öffentlichen Leben ermöglicht. Solche Gestaltungsansätze sind essenziell für die Schaffung einer inklusiven und mobilitätsfreundlichen Stadtumgebung.