Barrierefreie Bushaltestellen
Haltestellen im Seitenraum stellen im Busverkehr die am häufigsten genutzte Form dar. Die Lage der Haltestellen ist so zu wählen, dass Fahrgäste die Nahverkehrsfahrzeuge bequem, sicher und auf kurzem Weg erreichen können. Diese Haltestellenform wird vorzugsweise an geraden Fahrbahnrändern angeordnet, um ein paralleles Anfahren der Niederflurbusse zu gewährleisten.
Anzustreben ist eine angehobene Wartefläche mit einer Busbordhöhe von mindestens 18 cm. Diese Höhe ermöglicht einen bequemen und zügigen Fahrgastwechsel am Niederflurbus. Das Auffinden der Haltestelle vom Gehweg aus ist durch einen Auffindestreifen mit Rippenstruktur sicherzustellen. Dieser führt direkt zur Einstiegsstelle, welche die Position der vorderen Tür markiert.
Die Gestaltung dieser Verkehrsanlage unterliegt u.a. folgenden
Regelwerken und Normen:
RASt: Richtlinie für die Anlage von Stadtstraßen
EFA: Empfehlungen für Anlagen des Fußgängerverkehrs
EAÖ: Empfehlungen für Anlagen des öffentlichen Personennahverkehrs
ERA: Empfehlungen für Radverkehrsanlagen
R-FGÜ: Richtlinien für die Anlage und Ausstattung von Fußgängerüberwegen
DIN 18040-3: Barrierefreies Bauen – Planungsgrundlage Teil 3: Öffentlicher Verkehrs- und Freiraum
DIN 32984: Bodenindikatoren im öffentlichen Raum
DIN 32975: Gestaltung visueller Informationen im öffentlichen Raum zur barrierefreien Nutzung
Zentrale Elemente der Gestaltung:
Taktiles Bodenleitsystem: Ein durchgängiges System aus Rippen- und Noppenplatten führt sehbehinderte und blinde Menschen sicher von den Gehwegen über den Radweg bis hin zur Einstiegsposition am Bus. Besonders hervorzuheben sind die Rippenfelder an den Entscheidungspunkten am Radweg und der Leitstreifen, der exakt auf das Einstiegsfeld die vordere Bustür ausgerichtet ist.
Sicherer Radweg-Übergang: Der rot eingefärbte Radweg wird hinter der Wartefläche vorbeigeführt. Um Konflikte zwischen Radfahrern und Fußgängern zu minimieren, ist eine markierte Furt (Zebrastreifen-Optik) integriert, den Fahrgästen den gesicherten Zugang zum Haltestellenkap ermöglicht. Dadurch erhalten auch die Radfahrer eine Einsicht über den Fußgängerquerverkehr.
Wichtig!
Zur Vermeidung einer unkontrollierten Überquerung des Radweges ist ein Sicherheitsgeländer neben der Wartehalle empfehlenswert. Je nach Bedarf sollte auch zur anliegenden Rasenfläche ein Schutzgeländer angebracht sein.
Niveaugleicher Einstieg: Der Bus hält an einem erhöhten Bordstein (Haltestellenkap), was einen nahezu schwellenlosen Ein- und Ausstieg für Rollstuhlfahrer, Personen mit Kinderwagen oder Gehbehinderte ermöglicht. Das Bild zeigt einen Rollstuhlfahrer auf der Wartefläche, der sich für den Einstieg positioniert.
Infrastruktur und Ausstattung: Ein wettergeschützter Wartebereich mit Sitzgelegenheiten, Fahrplan, Fahrkartenautomat etc.
- Ein digitales Informations-Terminal (Fahrgastinformation in Echtzeit) mit taktilem Auffindestreifen.
- Klare Trennung der Verkehrsräume durch unterschiedliche Bodenbeläge und Graniteinfassungen.
Umfeldgestaltung: Im linken Bereich ist ein gesicherter Straßenübergang mit differenzierter Bordhöhe (FGÜ-Zebra-Markierung) mit entsprechenden taktilen Bodenindikatoren zu sehen, der die Haltestelle an das weitere städtische Wegenetz anbindet.
Beispiel
Positionierung Niederflurbus am Haltepunkt
- A Abstand Fahrzeug bzw. Kopflänge zur Bustür der Einstiegsstelle.
- B Aufstellfläche (ebene Wartefläche) zur Bustür.
(Einzelheiten siehe Handbuch Teil 2, Abschn. 12.6)
In der oben dargestellten grafischen Ansicht ist diese bauliche Anforderung verdeutlicht.
Die Halteposition der Busse wird maßgeblich durch die Lage des Einstiegsfeldes bestimmt. Dabei hängt die exakte Positionierung des Fahrzeugs an der ersten Einstiegstür von der fahrzeugspezifischen Anfahrgenauigkeit ab. Um ein sicheres Ein- und Aussteigen zu ermöglichen, muss für die wartenden Fahrgäste im Bereich der ersten Tür eine ausreichend große, ebene Einstiegsfläche zur Verfügung stehen, bevor der Übergangsstein von der Busbordabsenkung zum Hochbord führt.
In der oben stehenden grafischen Ansicht wird diese bauliche Anforderung verdeutlicht.
Thematik im Handbuch
Negativbeispiele Bodenindikatoren
am Haltpunkt
- Hier sind die Bodenindikatoren vom Einstiegsfeld mit dem Richtungsfeld einer Überquerungsstelle gleichgestellt (vgl. Bild rechts).
- Das Einstiegsfeld befindet sich am Kurvenanfang, dadurch entsteht eine größere Spaltbreite beim Buseinstieg
- Die ungleiche Ein- und Ausstiegshöhe am Busbord-Übergangsstein, führt zur Stolpergefahr!
Wichtig!
Die Rippenstruktur vom Einstiegsfeld sind grundsätzlich parallel zum Busbord anzulegen und an der ebenen Haltestellenkante. (vgl. DIN 32984, EAÖ).
- Diese Bushaltstelle zeigt eine lebensgefährliche Fahrbahnüberquerung mit mithilfe von Leitstreifen über die Busfahrspur
Wichtig!
Leitstreifen mit Rippenstrukturen verweisen auf eine gesicherte unbehinderte Wegeführung für blinde und sehbehinderte Menschen hin. Deshalb dürfen keine Bodenindikatoren über Fahrbahnen/Busfahrgassen etc. eingesetzt werden. Zur Orientierung des Überquerungsbereiches sind sonstige Leitelemente, wie taktile Natursteinpflaster einzusetzen (vgl. DIN 32984).
Negativbeispiel zur Lage Haltepunkt bei Sägezahn-Aufstellung
Dieses Beispiel illustriert einen typischen Fehler bei der Abstimmung der Halteposition von Bussen auf die Anordnung der Bodenindikatoren. Hierbei muss der Bus sehr nah an die innere Eckausrundung heranfahren, um das Einstiegsfeld zu erreichen.
Aufgrund des geringen Abstands zum vorderen, schräg verlaufenden Bord ist es nicht möglich, die Ausfahrt unter Einhaltung des Wendekreises (R > 10,7 m) zu bewältigen, ohne am Außenradius anzustoßen. Alternativ müsste der Bus zurücksetzen, was ohne Einweisung jedoch gefährlich ist. Um dies zu vermeiden, hält der Bus oft nicht an seinem eigentlichen Haltepunkt, sondern bereits vor dem Einstiegsfeld. Damit ist die barrierefreie Nutzung nicht mehr gewährleistet.
Wichtig!
Die Anordnung der Lage der Halteposition ist abhängig vom
- Auffahrradius der Busse, gemessen von der rechten vorderen Busecke zuzüglich des Sicherheitsabstands zum vorderen Bus.
- Abstand der Kopflänge vom Bus zum Haltepunkt.
Planungsbeispiele hierzu sind im Handbuch Teil 2, Abschn. 12.6.2 aufgezeichnet.